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Informatives | FORL - Löcher in den Zähnen

Die FORL (feline odontoclastic resorptive lesions)

wurde bereits im Jahr 1930 entdeckt. Danach geriet sie für viele Jahrzehnte wieder in Vergessenheit. Erst in den 1990ern rückte diese Art der Zahnzerstörung wieder ins Bewusstsein von Tierärzten und Katzenfreunden.

FORL ist eine schwere und sehr schmerzhafte Zahnerkrankung, bei der sich das Zahnbein auflöst und große Löcher in den Zähnen entstehen. Weil diese Löcher früher meist am Übergang der Krone zur Wurzel beobachtet wurden, sprach man lange Zeit von Zahnhalsläsionen (neck lesions). Dieser Begriff ist überholt, denn die Veränderungen können am ganzen Zahn sichtbar werden.

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Entstehung

Die Entstehung der FORL ist nicht restlos geklärt. Fest steht, diese Erkrankung tritt ausschließlich bei Katzen auf. FORL ist nicht zu vergleichen mit der beim Menschen auftretenden Karies. Die durchlöchert zwar auch die Zähne aber hier sind die Verursacher Bakterien, die den mit der Speise aufgenommenen Zucker verstoffwechseln und den Zahnschmelz angreifen. FORL ist keine bakterielle Erkrankung sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem zeigt eine Überreaktion auf und löst damit die FORL aus. Offenbar sieht das körpereigene Abwehrsystem die Zähne als Fremdkörper an und greift diese mit Odontoklasten (zahnabbauenden Zellen) an.

Die allgemeine Zahngesundheit spielt bei der Entstehung von FORL eine große Rolle Liegt eine schwere Parodontose (Zahnfleischentzündung) vor, kann das zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems führen. Dadurch wird die Entstehung der FORL begünstigt. Aktuelle Studienergebnisse legen den Verdacht nahe, dass die individuelle Beschaffenheit des Zahnzements – die Kitt-Substanz zwischen Zahn und Kieferknochen – ebenfalls maßgeblich an der Entstehung dieses Zahnfraßes beteiligt ist. Fest steht, dass ein Zusammenspiel all dieser Faktoren die Entstehung von FORL unterstützen. Gefährdet sind Katzen aller Rassen und aller Lebensalter, auch Wild- und Großkatzen bleiben nicht verschont.

Durch den Abbau der Zahnsubstanz und der dadurch entstehenden Löcher wird das schmerzempfindliche Zahnbein freigelegt, die Katze leidet starke Schmerzen. Ein auffälliges Symptom ist, dass die erkrankte Katze lustlos wirkt, zunehmend schlechter frisst und erst vorübergehend, dann jedoch kontinuierlich an Gewicht verliert. Im weiteren Verlauf der Krankheit werden die Zähne so mürbe und löchrig, dass die Zahnkronen abbrechen. Die im Kiefer übrig gebliebenen spitzen Enden und Teilstücke werden oft von der Mundschleimhaut überwachsen. Das erschwert die Diagnose und verschleiert häufig das dramatische Ausmaß des Leidens.

Diagnose und Behandlung

Verantwortungsvolle Katzenbesitzer lassen einmal jährlich durch den Tierarzt bei ihrer Katze den Zahnstein entfernen. Das Tückische ist, dass der Zahnstein meist direkt auf der FORL aufliegt. Es besteht die Gefahr, dass die Fehldiagnose „Parodontalerkrankung“ (Zahnfleischerkrankung) gestellt wird. Bei gründlicher Untersuchung sollte dem Tierarzt jedoch auffallen, dass Zahnschmelz und Zahnbein druckempfindliche Partien aufweisen. In diesem Falle sollte eine Röntgenaufnahme vom Katzengebiss gemacht werden. Mit Hilfe einer Röntgenaufnahme kann das Ausmaß der FORL schnell abgeklärt werden, denn spätestens jetzt zeigen sich die Läsionen (Verletzungen) an Zahnkronen und Zahnwurzeln ganz deutlich.

Die Behandlung der FORL ist sehr schwierig. Ist die Erkrankung noch nicht zu weit fortgeschritten, wir der Tierarzt zunächst eine professionelle Gebissreinigung vornehmen. Der Katzenfreund muss im Anschluss daran eine kontinuierliche Gebisspflege bei seiner Katze durchführen. Diese häusliche Gebisspflege besteht aus regelmäßiger Gebisskontrolle und dem Verfüttern von Rindfleischstreifen, die gut gekaut werden müssen. Durch die mechanische Belastung wird der Zahnsteinbefall verringert. Zahnpflegendes Trockenfutter ist nicht empfehlenswert sondern eher bedenklich! Durch Vermischung mit dem Speichel weicht das Trockenfutter auf und hinterlässt einen kohlehydrathaltigen Film auf den Zähnen. Dieser Film wird durch die im Speichel enthaltenen Enzyme in Zucker umgewandelt, dadurch werden die Zähne noch mehr geschädigt. Das Gleiche gilt für Katzen-Zahnhygieneartikel und Kaustreifen.

Oberstes Ziel aller Maßnahmen ist die Verringerung der Entzündungen und des Leidensdrucks bei der Katze. Oftmals ist das alles verbunden mit der Gabe von Immunsuppressiva (Medikamenten, die das Immunsystem dämpfen). Da Cortison allgemein bei Autoimmunerkrankungen sehr hilfreich ist, wird häufig auch Cortison gespritzt. Doch leider ist dieser Therapie meist kein dauerhafter Erfolg beschieden. Zunächst bessern sich die Symptome, die Katze frisst eine Weile besser und nimmt zu. Nach einiger Zeit kommt es zum Rückfall und es muss erneut Cortison injiziert werden. Eine Langzeit-Therapie mit Cortison hat oft schwere Nebenwirkungen. Sie verursacht Adipositas (Fettsucht), Wassereinlagerungen im Körpergewebe und führt zum Abbau von Bindegewebe. Deshalb ist Cortison keine dauerhafte Lösung des Problems.

Alternativ wurde die so genannte Immuntherapie eingeführt. Damit soll das Immunsystem so beeinflusst werden, dass die spezifische Immunantwort (in diesem Falle die Abwehrreaktion des Immunsystems auf die Zähne) abgeschwächt wird. Die Erfolge sind unterschiedlich. Einige Katzen können mit wiederholten Behandlungen gesund erhalten werden, bei anderen bleibt die Therapie völlig wirkungslos.

In den meisten Fällen kann man dieser Krankheit nur noch durch das drastische Mittel der Zahnextraktion (dem Ziehen der Zähne) zu Leibe rücken. Vorwiegend sind es die Backenzähne, die gezogen werden müssen. Leider müssen manchmal auch alle Zähne, inklusive Eck- und Schneidezähne entfernt werden. Es ist verblüffend, doch nach der Zahnextraktion erholt sich die betroffene Katze sehr schnell, frisst und nimmt wieder zu. Sogar die Aufnahme von Trockenfutter ist kein Problem. Die Praxis hat gezeigt, dass die Zahnextraktion das zuverlässigste Mittel im Kampf gegen FORL ist. Die Katze gewinnt wieder enorm an Lebensqualität, ist nicht mehr apathisch und abgemagert. Sie findet zu ihrer alten Form zurück und frisst wieder normal. Der Preis dafür ist der Verlust ihrer Zähne. Doch das noch größere Problem ist der Katzenhalter, der behutsam auf diese radikale Therapieform vorbereitet werden muss. Der Katzenfreund reagiert meist entsetzt auf den Vorschlag, seinem Liebling alle Zähne ziehen zu lassen. Jedoch darf man eine zahnlose Katze  nicht mit einem zahnlosen Menschen vergleichen. Im Gegensatz zum Menschen fällt bei einer zahnlosen Katze die Mundpartie nicht ein. Bei geschlossenem Mäulchen ist nichts Auffälliges zu bemerken, selbst bei geöffnetem Mäulchen fällt es kaum auf, dass die Katze keine Zähne mehr hat. Aus medizinischer und funktioneller Sicht sind die Zähne für das heutzutage angebotene Futter nicht zwingend notwendig. Die Katze kann das Trockenfutter mit den Kieferleisten zerkleinern und am Gaumen zerquetschen. Katzen sind von Natur aus sehr pfiffig und trickreich; sie können auch ohne Zähne ihre Beute fangen.

Schlussbemerkung

Abschließend noch ein paar Worte zur modernen Katzenfütterung: Sie spielt offenbar keine Rolle beim Ausbruch dieser Erkrankung. FORL scheint ein Übel zu sein, mit dem Katzen wohl schon seit Urzeiten geschlagen sind, denn diese Erkrankung konnte sogar bei Skeletten von vor über 700 Jahren verstorbenen Wildkatzen nachgewiesen werden.

 

© Gisela Teubner
Mitglied beim 1. DEKZV e.V. und GBBC e.V.